Pferdeliebhaber reissen sich um Tiere des «Gammelhofs» Hefenhofen

Die vergangene Woche beim mutmasslichen Tierquäler von Hefenhofen TG beschlagnahmten Pferde sind bei ihrem Verkauf auf ein riesiges Interesse gestossen. Bis auf ein Pony fanden sämtliche Tiere einen Käufer und für alle verkauften Tiere wurde der Maximalpreis bezahlt.

Bis zu hundert Personen waren jeweils bereit, den Einstandspreis plus 500 Franken für ein Pferd zu bezahlen. Auf diese Weise nahm der Kanton Thurgau, der den Verkauf organisierte, rund 140’000 Franken ein.

Wie er am Donnerstag nach Schluss der Aktion mitteilte, kann er mit diesen Einkünften seine Ausgaben im Fall Hefenhofen decken. Ein allfälliger Rest geht an den mutmasslichen Tierquäler, der jetzt fürsorgerisch untergebracht ist.

Zu Beginn der Verkaufsaktion am Donnerstagmorgen waren mehrere hundert Interessenten und Schaulustige anwesend. Am Nachmittag lichteten sich die Reihen bei starker Sonne. Vor allem Freiberger Pferde wurden auf dem Areal des Kompetenzzentrums Veterinärdienst und Armeetiere im Sand bei Schönbühl BE angeboten.

Zum Verkauf kamen 80 Pferde und Ponys, deren Schätzwert zuvor zwei unabhängige, vom Kanton Thurgau bestimmte Experten festgelegt hatten. Wegen des grossen Interesses an den Tieren musste also in 79 Fällen das Los bestimmten, wer das Pferd erhielt.

Auf einen maximalen Zuschlag von 500 Franken hatten sich im Vorfeld Thurgauer Behörden, Armee und externe Experten geeinigt, um Spekulationen zu verhindern. Zu Zwischenfällen kam es nicht.

Private ärgern sich über Organisationen

Für Irritationen bei Privatpersonen sorgte, dass Tierschützer organisiert und gemeinsam boten. Sie hatten den Thurgauer Behörden im Vorfeld Plätze angeboten und wollten nun «ihre Pferde zurückholen», wie ein Vertreter sagte, der anonym bleiben wollte. «Als Privater hat man hier keine Chance», ärgerte sich ein Pferdehalter aus dem Emmental am Donnerstagmorgen am Rande des Versteigerungsplatzes in Schönbühl.

Der mit dem Verkauf beauftragte Thurgauer Amtstierarzt Ulrich Weideli sagte dazu, solange die Verkaufsmodalitäten nicht in Frage gestellt würden, sei dem Auftreten von Organisationen nichts entgegenzusetzen. Sie seien überzeugt, dass das Verfahren fair gewesen sei, steht in einer Mitteilung des Kantons Thurgau. Oberstes Ziel sei es gewesen, gute Plätze für die Tiere zu finden.

Mehrere private Käufer nannten als Kaufmotiv gegenüber der Nachrichtenagentur sda einerseits eine gute Gelegenheit, ein Pferd zu kaufen. Anderseits erhalte so ein Pferd ein besseres Zuhause als in Hefenhofen TG.

Weideli dankte der Armee für ihre Hilfe bei der Unterbringung und Pflege der verwahrlosten Tiere. «Nur» 80 der 93 in Hefenhofen beschlagnahmten Tiere gelangten zum Verkauf, weil vor dem Anlass vier Personen den Besitz von dreizehn Pferden hatten nachweisen können.

Das Pony, das nicht verkauft werden konnte, geht nun in den Besitz von Rekruten über. Der Thurgauer Veterinärdienst übernimmt die Kosten.

Zwei Personenkontrollen

Am Anlass markierten Berner Kantonspolizei und die Militärpolizei Präsenz. Sie kontrollierten zwei Personen, die verdächtigt wurden, mit dem mutmasslichen Tierquäler von Hefenhofen zu tun zu haben. Das sagte der Kommandant des Armee-Tier-Kompetenzzentrums, Jürg Liechti, auf Anfrage. Der Verdacht habe sich nicht bestätigt, fügte er an.