Unterschiedliche Reaktionen auf die Wahl des neuen Bundesrats

Die Tessiner Regierung hat «mit grosser Freude» von der Wahl von Ignazio Cassis in den Bundesrat Kenntnis genommen. Diese Wahl beende die lange Absenz des Tessins in der Landesregierung.

Sie zeuge von Respekt gegenüber den verschiedenen Kulturen und Sprachen des Landes. Dies teilte der Tessiner Staatsrat am Mittwoch mit. Er drücke im Namen der ganzen Tessiner Bevölkerung seine «tiefe Befriedigung» über die Wahl des Tessiner Nationalrats Cassis in die Landesregierung aus.

Die Vertretung des Tessins im Bundesrat trage dazu bei, die Identität des Landes zu erhalten – ein Land, das nicht nur verschiedene Kulturen und Sprachen respektiere, sondern auch Minderheiten in den politischen Prozess einbinde.

Die CVP Schweiz gratuliert Cassis zu seiner «ehrenvollen Wahl». Gleichzeitig fordert sie ihn auf, sich als neues Mitglied der Landesregierung an das Kollegialitätsprinzip zu halten, über Parteigrenzen hinaus zu politisieren und als Brückenbauer zu fungieren.

Mit der Wahl von Cassis habe nun auch die italienischsprachige Bevölkerung wieder einen Vertreter im Bundesrat, der diese Sprache und Kultur direkt in die Regierung trage. Dies schreibt die CVP in einer Mitteilung. Darüber freue sich die Partei.

Die CVP wünscht sich weiter, dass sich der neue Bundesrat mit Offenheit und Souveränität zum Wohle der Schweiz einsetzt.

FDP Genf ist enttäuscht

Die FDP Genf ist stolz auf die Kampagne des am Mittwoch unterlegenen Bundesratskandidaten Pierre Maudet. «Er hat wichtige Themen angesprochen und ein gutes Ergebnis gemacht», sagte der Präsident der FDP Genf, Alexandre de Senarclens. «Wir sind sehr enttäuscht. Er ist ein exzellenter Staatsrat und wäre auch ein hervorragender Bundesrat gewesen», sagte Senarclens.

Rund sieben Monate vor den Genfer Kantonswahlen zeigt sich der Parteipräsident aber auch zufrieden darüber, Maudet im Kanton bleibt. Pierre Maudet und Alexandre de Senarclens werden mit der Grossrätin Nathalie Fontanet in die Wahlen für die Kantonsregierung ziehen. Diese finden im Frühling 2018 statt.

Politologe glaubt nicht an Rechtsrutsch

Politologe Louis Perron glaubt nicht, dass der Gesamtbundesrat mit dem neuen Mitglied Cassis nach rechts rutschen wird. Der Tessiner werde andere Nuancen setzen, aber nicht den grossen Kurswechsel bringen. «Wir haben einen Freisinnigen durch einen Freisinnigen ersetzt.»

Dies sagte Perron am Mittwoch zu sda-Video. Als Tessiner werde er sicher versuchen, bei gewissen Themen für seinen Landesteil zu punkten – etwa in Fragen der Migration. Wichtiger sei aber schon allein die Tatsache, dass er das Tessin repräsentiere und die Sprache des Südkantons spreche.