«Derwische als Orient-Chiffre» im Völkerkundemuseum in Zürich

Die Bezeichnung «Derwisch» ist so geheimnisvoll wie faszinierend. Nun gibt es die Gelegenheit, ihr im Völkerkundemuseum der Universität Zürich auf die Spur zu kommen.

«Gemachte Bilder. Derwische als Orient-Chiffre und Faszinosum» heisst die von Andreas Isler und Paola von Wyss-Giacosa kuratierte Ausstellung. Die Exponate sind bis 28. Januar zu besichtigen. Es sind Reiseberichte, Stiche, Zeichnungen, Fotografien, Postkarten, aber auch Objekte wie ein schön illustriertes Buch, eine Langflöte eines Mevlevi-Derwischs, eine Almosenschale oder ein Blashorn.

Sie alle dienen dem Ziel, dem schillernden Begriff «Derwisch» aus historischer und westlicher Perspektive auf die Spur zu kommen. Das persische Wort bezeichnet eine arme Person, einen Bettler, der an Türen klopft als einer, der «jenseitiges Heil sucht und vermittelt», wie Andreas Isler in der Begleitpublikation schreibt.

Islamischer Bettelorden

Als Sammelbegriff hat sich «Derwisch» über die Jahrhunderte erhalten. Das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache definiert ihn als «Mitglied eines islamischen Bettelordens», wobei, so Isler, allen Derwischen die Suche nach spiritueller Erfahrung gemeinsam ist.

Die Ausstellung dokumentiert, wie westliche Beobachter des 15. bis 19. Jahrhunderts Derwische im Osmanischen Reich wahrgenommen und dargestellt haben. Zum Ausdruck kommen Ablehnung, sogar Verteufelung, aber auch Faszination und Bewunderung.

Tanzende und schreiende Derwische

Am meisten fesselten die Zusammenkünfte der Mevlevi und Rifa’i, der tanzenden und heulenden Derwische, wie Paola von Wyss-Giacosa schreibt. Sie fanden in Form intensiver Schilderungen immer wieder Eingang in die Publikationen der westlichen Beobachter.

Neben den historischen Dokumenten sind in der Ausstellung Ausschnitte aus Spiel- und Dokumentarfilmen zu sehen. Dabei zeigt sich zum Beispiel, dass in der heutigen Türkei die Rituale tanzender Derwische auch von touristischer Bedeutung sind.

Verfasser: Karl Wüst, sfd