«Wir haben höhere Ansprüche und hier nicht erfüllt!»

Am Ende freut sich nach dem 2:6 gegen Russland niemand über die gute 46 Minuten. «Wenn du kurz vor Schluss 2:1 führst und noch klar verlierst – das ist dann das, was hängen bleibt», so Andres Ambühl.

Die Bilanz des Captains von dieser Woche fällt ernüchternd aus: «Wir haben diese Woche alle drei Spiele verloren und es nie geschafft, über 60 Minuten lang gut zu spielen. Diese Bilanz ist nicht positiv. Wir haben höhere Ansprüche. Und diesen wurden wir in Finnland sicher nicht gerecht.»

Die Analyse, warum die Partie gegen die starken Russen am Ende derart aus dem Ruder lief, fiel den Schweizern schwer. «Ich weiss auch nicht genau, was passierte», meinte Goalie Jonas Hiller. Hiller spielte 46 Minuten lang grandios und wehrte 27 Schüsse ab von 28. Danach liess er vier Schüsse hintereinander und fünf der letzten sechs Schüsse auf sein Tor passieren. Hiller: «Während zwei, drei Minuten spielten wir nicht mehr so wie vorher. Und die Russen nützten das brutal aus. Vielleicht fehlte uns nach dem kräfteraubenden Spiel vom Freitag gegen Tschechien am Ende die Kraft.»

Etwas differenzierter analysierte Nationalcoach Patrick Fischer den Einbruch: «Uns unterliefen im Schlussabschnitt mentale Fehler. Das Puck-Management war nicht mehr gut. Wir leisteten uns fahrlässige Scheibenverluste. Unmittelbar vor dem 2:2-Ausgleich verloren wir in der eigenen Zone die Scheibe und liefen nachher den Gegenspielern hinterher. Derartige Fehler unterliefen uns in den ersten zwei Dritteln der Partie nicht.»

In den ersten zwei Dritteln demonstrierte das Schweizer Team, wie es im Februar in Pyeongchang mit dem Traum von einer Medaille im Männer-Eishockey klappen könnte. Die Schweizer steigerten sich im Vergleich zu den Spielen gegen Kanada (2:3) und Tschechien (2:3). Erstmals kassierten die Schweizer weniger Strafen als der Gegner. Daraus resultierte die 2:1-Führung bis 13 Minuten vor Schluss. Dieses 2:1 war nach 20 Minuten noch glückhaft, nach 40 Minuten aber durchaus verdient. «Wir setzten 42 Minuten lang alles um, was wir uns vorgenommen hatten. Schade schafften wir es nicht, die Partie vorzuentscheiden. Und wirklich schade ist, dass die Partie am Ende noch so klar verloren ging.»