Wahnsinn: Kloten gewinnt Rekordspiel gegen Lakers

Sven Lindemann (SCRJ) gegen Steve Kellenberger (Kloten) im dritten Ligaquali Spiel der National League zwischen den SC Rapperswil-Jona Lakers und dem EHC Kloten.

Das dritte Spiel der Ligaqualifikation zwischen dem EHC Kloten und den SCRJ Lakers wurde zum historischen, zum längsten im Schweizer Eishockey. Weit nach Mitternacht endete es mit dem 3:2-Sieg nach Verlängerung für Kloten, das in der Serie auf 1:2 verkürzte.

von Bernhard Camenisch

Es war schon Mittwoch, 0:28 Uhr, und es lief die 103. (!) Minute. Dennis Hollenstein, Klotens Nationalspieler, der bis dahin in der Ligaqualifikation abgemeldet war, nahm nochmals Anlauf und versenkte den Puck nach 102:32 Minuten mit einem Handgelenkschuss im Tor von Lakers-Goalie Melvin Nyffeler. Das längste Spiel im Schweizer Eishockey war entschieden (der vorherige Rekord, aufgestellt am 21. März von Olten und Langenthal, wurde um 15 Spielminuten übertroffen) und der EHC Kloten zurück in der Serie.

In den ersten beiden Spielen der Ligaqualifikation hatte sich Kloten gegen den drohenden Abstieg kaum gewehrt. Im dritten Spiel kam vor 6863 Zuschauern das Aufbäumen. Selbst einen Rückstand machten die Zürcher weg, sogar zweimal. Sie kämpften sichtbar um ihr Überleben in der National League. So war das dritte Duell das erste, indem der Oberklassige den SCRJ Lakers auf Augenhöhe begegnete.

Dabei lief der Puck zunächst für die Lakers. Sie überstanden das Klotener Startfurioso unbeschadet – auch, weil Matthias Bieber nur den Pfosten traf (5.) – und schlugen in ihrem ersten Powerplay zu: Jeremy Morin schoss die Gäste in der siebten Minute in Front. Ein Treffer mitten ins Klotener Herz und der ultimative Charaktertest für das Team von Interimstrainer André Rötheli.

Die Vorentscheidung verpasst

Mit Druck war es zwar vorerst vorbei, seinen Einsatzwillen hielt das Heimteam aber aufrecht. Dieser allein hätte Kloten nichts genützt, wenn die Lakers im zweiten Drittel nicht im Abschluss gesündigt hätten. Jorden Gähler (25.), Florian Schmuckli (26.), Martin Ness (29.) und Sven Lindemann (30.) – alle hatten das 2:0 auf dem Stock, scheiterten aber an Goalie Luca Boltshauser, der wie auf der anderen Seite Melvin Nyffeler eine glänzende Partie zeigte. «Wir liessen in dieser Phase die Gelegenheit für eine mögliche Vorentscheidung. Diesmal fielen die Pucks für uns nicht rein», analysierte Lakers-Stürmer Leandro Profico um etwa 0:45 Uhr in den Katakomben der Swiss-Arena.

Kloten blieb im Spiel, wohl gleichbedeutend mit dem Verbleib in der Serie, und kam kurz vor der zweiten Pause zum langersehnten Tor nach über 100-minütiger Durststrecke, als René Back das 1:1 erzielte. Der Verteidiger traf per Direktschuss. Kloten zeigte nicht nur in dieser Szene eine in den vorangegangenen zwei Partien nicht gesehene Entschlossenheit und wurde dafür belohnt.

Schwach war aber erneut das Boxplay des National-Ligisten. Mit ihrer passiven Formation machten sie es den Lakers in Überzahl leicht, und diese nahmen an. Profico brachte die Lakers erneut in Führung (48.). Doch Kloten reagierte so, wie es ein Team macht, das den Glauben an sich nicht aufgegeben hat: energisch. Keine drei Minuten später erzwang Morris Trachsler den Ausgleich, der zur Verlängerung führte.

Kloten in der Verlängerung aktiver

In dieser – zumindest in der erten – taten die Klotener mit 19:2 Schüssen viel mehr für den Sieg. Sie schienen über die grösseren Kraftreserven zu verfügen und verlagerten das Geschehen vor Nyffelers Tor. Zweimal wussten sich die Lakers nur noch mit Fouls aus der Umklammerung zu befreien. Die beiden Powerplays konnten die Klotener nicht nützen, es ging in die zweite Verlängerung. Sie hätten sich in der Pause jeweils flüssig ernährt, mit Nahrungsergänzungsmittel enthaltenden Shakes, sagte Profico zum Thema Verpflegung in diesem Marathonspiel.

In der zweiten Overtime konnten die Lakers das Spiel wieder ausgeglichener gestalten. Letztlich nützte es nichts. Die Rapperswiler können im Heimspiel vom Donnerstag den Aufstieg noch nicht klarmachen. «Gut erholen, mit möglichst wenig Bewegung», nannte Profico das A und O nach diesem über 100-minütigen Abnützungskampf und fügte an: «Ich will jetzt nur noch aus den Schlittschuhen.»

 

Kloten – Rapperswil-Jona 3:2 (0:1, 1:0, 1:1, 0:0, 0:0, 1:0) n.V.

6863 Zuschauer. – SR: Koch/Wehrli, Borga/Kaderli.

Tore: 7. Morin (Casutt, Knelsen/Ausschluss Trachsler) 0:1. 39. Back (Santala) 1:1. 48. Profico (Mason, Ness/Ausschluss Abbott) 1:2. 51. Obrist (Trachsler) 2:2. 103. (102:32) Hollenstein 3:2.

Strafen: 6-mal 2 Minuten gegen Kloten; 5-mal 2 Minuten gegen die Rapperswil-Jona Lakers.

Kloten: Boltshauser; Stoop, Ramholt; Egli, Harlacher; Kellenberger, Back; Kparghai; Leone, Schlagenhauf, Praplan; Obrist, Trachsler, Bozon; Bieber, Lehmann, Hollenstein; Welti, Sallinen, Abbott; Santala.

Rapperswil-Jona: Nyffeler; Iglesias, Schmuckli; Sataric, Maier; Geyer, Büsser; Gähler, Berger; Primeau, Ness, Hüsler; Morin, Knelsen, Rizzello; Mosimann, Mason, Hügli; Profico, Lindemann, Casutt.

Bemerkungen: Kloten ohne Poulin, Bäckman (überzählige Ausländer), Grassi, Weber, Lemm und Marchon. Rapperswil-Jona Lakers ohne Aulin und Brem (alle verletzt). – 5. Lattenschuss Bieber. – Time-outs: Lakers (39.); Kloten (64.).