Jürg Stahl glaubt an ein Ja zu Olympia 2026

Am Sonntag findet im Kanton Wallis die Volksabstimmung über die Kandidatur für die Olympischen Winterspiele 2026 statt. Es geht um einen Kredit von 100 Millionen Franken.

Jürg Stahl, der Präsident des Kandidaturkomitees, glaubt trotz negativ verlaufenen Umfragen an ein Ja der Walliser Bevölkerung. Sollte die Abstimmung scheitern, wäre dies wohl das Ende der Schweizer Kandidatur 2026. «Das Wallis ist das Herzstück unserer Bewerbung, und wenn das Herz nicht schlägt, lässt sich nichts Erfolgreiches mehr auf die Beine stellen», sagte Stahl.

Der Kanton Wallis will der Organisation der Spiele 2026 eine finanzielle Unterstützung bis zum Höchstbetrag von 100 Millionen Franken zuteilen: höchstens 60 Millionen für die Subventionierung der dauerhaften Infrastrukturbauten und höchstens 40 Millionen für die öffentliche Sicherheit. Der vom Bund gesprochene Beitrag beläuft sich auf rund eine Milliarde Franken.

Laut Jürg Stahl, der im vergangenen Jahr den Nationalrat präsidierte, lässt sich die hohe Qualität der Kandidatur an der Zustimmung des Bundesrats messen. «Sieben Personen haben drei Mal darüber entschieden, dass wir ein stabiles, verlässliches Konzept vorlegen, dass die Chancen viel höher sind als die Risiken», so Stahl, «und das sind nicht einfach sieben Sportfans, die an Veranstaltungen gehen möchten.»

Pioniergeist zu spät geweckt?

In den letzten zwei bis drei Wochen hat Stahl eine neue Dynamik in der Bevölkerung wahrgenommen: «Sind wir noch in der Lage, etwas Grosses zu schaffen, gemeinsam etwas Bedeutendes zu unternehmen? Diese Frage stellen sich inzwischen auch Leute, die nicht besonders sportinteressiert sind – wohlgemerkt in einem zufriedenen, gesättigten Land, das sich in sehr gutem Zustand befindet. Aber vielleicht kommt die Überlegung, den Pioniergeist zu wecken, ein wenig spät.»

Spät, aber doch noch als Unterstützung der Walliser Kandidatur, traf dieser Tage eine Nachricht vom Debriefing der Olympischen Winterspiele von Pyeongchang ein. In Peking wurde konstatiert, dass die Spiele vom letzten Februar statt mit einem Defizit mit einem Reingewinn in Millionenhöhe abgerechnet werden.

Thomas Bach, der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), stellte erfreut fest, dass die «Agenda 2020» bereits Früchte trägt. Mit dieser neuen Agenda erleichtert das IOC die Vergabe und die Durchführung von Olympischen Spielen. Sie liegt auch der Kandidatur Sion 2026 zugrunde.

Das IOC ist «auf gutem Weg»

«Natürlich hat das IOC bei Teilen der Bevölkerung ein Imageproblem», räumt Stahl ein, der auch Präsident von Swiss Olympic ist. «Es wurden auch Fehler gemacht, aber vieles ist auf gutem Weg. Unsere Zusammenarbeit mit dem IOC beispielsweise bei den Olympischen Jugendspielen 2020 in Lausanne funktioniert ausgezeichnet. Überhaupt entwickeln sich diese Jugendspiele hoch erfreulich. Es wurden tolle Projekte mit Universitäten, mit Schulen etc. gestartet.»

Die Schweiz würde auch dem IOC und der olympischen Bewegung mit der Kandidatur und der Durchführung der Winterspiele 2026 einen Dienst erweisen, glaubt Stahl. Mit vernünftigen, einfachen Spielen. Die Umweltbelastung, von Olympiagegnern ins Feld geführt, wäre nirgends so gering wie in der Schweiz.

Neben Sion sind für 2026 derzeit noch Graz, Calgary, Cortina d’Ampezzo/Mailand/Turin, Stockholm, Erzurum (TUR) und Sapporo im Rennen. Vergeben werden die Spiele vom IOC im Herbst 2019 in Mailand.