Buenos Aires als olympischer Trendsetter

Viermal ist Buenos Aires mit dem Versuch gescheitert, Sommerspiele nach Argentinien zu holen. Ab Samstag ist die olympische Familie endlich zu Gast – anlässlich der 3. Olympischen Sommer-Jugendspiele.

Exakt vierzig Jahre ist her, da hatte Buenos Aires letztmals als Gastgeber eines Sport-Grossanlasses im Fokus der Weltöffentlichkeit gestanden. Die Fussball-WM 1978, die im ersten Titel für Gastgeber Argentinien endete, blieb allerdings kaum wegen sportlich herausragender Leistungen in Erinnerung. Stärker hallt bis heute nach, dass die Endrunde in Argentinien stattfand, während die Menschen im Gastgeberland unter der Militärjunta von General Jorge Rafael Videla schreckliche Gräueltaten zu erdulden hatten.

Unter dem Motto «Feel the Future» sollen die Sommer-Jugendspiele des 14- bis 18-jährigen Sport-Nachwuchses vom 6. bis 18. Oktober dieses Bild endgültig korrigieren. «Die Zukunft spüren» sollen sowohl Zuschauer wie Athleten, den Blick nach vorne gerichtet, anstatt sich an Vergangenes zu erinnern. Gleich im Dutzend warten die Organisatoren deshalb mit Innovationen auf. Bereits die Eröffnungsfeier am Samstag wird sich von allem bisherigen abheben: Das Fest findet nicht für wenige Privilegierte in einem Stadion statt, sondern für alle zugänglich rund um den Obelisken auf der Plaza de la Republica.

Auch in Sachen Gleichberechtigung der Geschlechter werden in Buenos Aires neue Wege beschritten. Unter den rund 4000 Zukunftshoffnungen, die in den 32 Sportarten um insgesamt 241 Medaillensätze kämpfen, werden sich erstmals in einem olympischen Sportevent gleich viele Frauen wie Männer befinden. In Seminaren zum Thema «Gleichberechtigung», die die Athletinnen und Athleten während ihres Aufenthalts in der Millionenstadt besuchen, sollen zudem die Werte verankert werden, die «im Sinne einer gerechteren Gesellschaft» sind.

39 Schweizer Athleten in Buenos Aires dabei

21 Athletinnen und 18 Athleten entsendet Swiss Olympic nach Südamerika, begleitet von einem rund 30-köpfigen Trainer- und Betreuerstab. Im Vergleich zu den Jugend-Sommerspielen von 2014 in Nanjing hat sich die Delegation mehr als verdoppelt. Medaillen haben für Delegationsleiterin Corinne Staub dennoch nicht erste Priorität. «Vielmehr sollen die Talente an einem Multi-Sportanlass dieser Dimension Eindrücke und Erfahrungen sammeln», lässt sich Staub zitieren. Vor vier Jahren aus China war die Schweiz mit drei Goldmedaillen und einmal Silber abgereist.

«Feel the Future», dem Motto der Spiele blieben die Organisatoren auch bei der Programmplanung treu. Acht neue Disziplinen werden in Buenos Aires zum ersten Mal überhaupt Teil eines olympischen Projekts sein: Sportklettern, Karate und BMX Freestyle werden im Hinblick auf die Sommerspiele 2020 in Tokio ihre Hauptprobe absolvieren, Breakdance, Inlineskating, Futsal, Kitesurfen und Beach-Handball auf ihr Potential für eine allfällige Aufnahme als IOC-Sportarten geprüft.