Windkraftanlagen in Ausserschwyz gäben Rückenwind für die Energiewende

Die Windkraftanlage in Haldenstein mit einer Nabenhöhe von 119 Metern und einem Rotordurchmesser von 112 Metern produziert Strom für mehr als 1000 Haushalte. Bild calandawind.ch

Was die Stromproduktion durch Wind betrifft, hinkt die Schweiz im europäischen Vergleich definitiv hinterher. Nur gerade o,2 Prozent der in unserem Land produzierten Elektrizität wird durch Wind
erzeugt. Dies muss sich ändern, soll die Energiestrategie 2050 umgesetzt werden. Darin waren sich die beiden
Referenten am Energie-Apéro am Montagabend im MythenForum in Schwyz einig.

Ob und wie viel Windenergie im Kanton Schwyz genutzt werden könnte, darüber sprach Peter Schwer, Gründer und Geschäftsführer der New Energy Scout GmbH aus Winterthur. Im Auftrag der Energiefachstelle des Kantons Schwyz hat die Firma geprüft, ob die Nutzung der Windenergie im Kanton Schwyz technisch und raumplanerisch möglich ist. Dabei berücksichtigten Schwer und sein Team Kriterien wie Abstand zu bewohntem
Gebiet (mindestens 300 Meter), den Baugrund, Schutzgebiete und Windvorkommen. 93,5 Prozent der Kantonsfläche konnten gleich mal ausgeschlossen werden. 5,9 Prozent wurden als Flächen mit Vorbehalten bezeichnet. Bleiben noch 0,6 Prozent oder 5,1 km2, die sich für Windenergie eignen. «Das tönt nach nicht so viel», räumte Peter Schwer ein. «Aber Windkraftanlagen brauchen wenig Grundfläche.»

Windpark in Ausserschwyz?

Laut den Untersuchungen der New Energy Scout GmbH hätte der Kanton Schwyz Potenzial für 15 bis 32 Grosswindanlagen oder eine Stromproduktion von 75 bis 160 Gigawattstunden pro Jahr. «Das entspricht 8 bis 18 Prozent des Strombedarfs des Kantons Schwyz», so Schwer. Und da könnte Ausserschwyz eine führende Rolle einnehmen. Grosses Potenzial ortet Peter Schwer in der Linthebene (bis zu 14 Anlagen), im Gebiet Stöcklichrüz/Beeristofel (10 Anlagen) und auf dem Rossberg (5 Anlagen). Weitere potenzielle Gebiete sind das Hochstuckli und der Amselspitz. Bei Letzterem müsse aber noch abgeklärt werden, ob nicht der Bund Vorbehalte anmelde.

Peter Schwer erläuterte dem interessierten Publikum die nötigen Schritte bis zum Bau einer Windanlage. So gelte es, mögliche Standorte in die Richtplanung aufzunehmen, exakte Windmessungen durchzuführen und nicht zuletzt die technische sowie
finanzielle Machbarkeit zu prüfen.

Strom für über 1000 Haushalte

Eine Windkraftanlage zu bauen geht zwar nicht von heute auf morgen, wie Josias F. Gasser, Geschäftsleiter der
Josias Gasser Baumaterialien AG in Chur und Teilhabe von calandawind.ch, erläuterte. Zwar konnte die Windturbine innerhalb von drei Wochen aufgestellt werden. Aber von der Idee bis zur Inbetriebnahme im Jahr 2013 vergingen sechs Jahre. Seither liefert die Anlage bei Haldenstein «Rückenwind für die Energiewende», wie Josias Gasser sagt. Oder konkret: Elektrizität für die 1000 Einwohner von Haldenstein und das Gewerbe. 

«Versuchen Sie, Windanlagen zu bauen, es ist finanziell möglich», forderte er die Anwesenden auf. «Denn das Ganze muss auch unternehmerisch funktionieren.» Wichtig sei, gut zu kommunizieren, sachlich und mit viel Engagement den Kontakt mit
Behörden, Bevölkerung und Umweltorganisationen zu suchen. So gelte es, Untersuchungen in Sachen Greifvögel, Fledermäuse und Zugvögel anzustellen. So werde die Anlage beispielsweise abgestellt, wenn die Wolkendecke auf 800 Metern oder tiefer liege. Kritisiert werde oft, dass Windanlagen nicht in die Landschaft passen. Aber die Anlage Calandawind.ch steht in einem «belasteten Gebiet», wie Gasser sagt – neben einem Kieswerk, neben Autobahn, Eisenbahn und Hochspannungsleitungen. 

Wo liegen die Vor- und die Nachteile von Windenergie? Beide Referenten betonten die Nachhaltigkeit des Windstroms – bezüglich Wirtschaftlichkeit und Gesamtumweltbelastung. Es ist eine einheimische Energiequelle, auch beim Bau können, wie Gasser betonte, regionale Betriebe an der Wertschöpfung teilhaben. Der Aufbau aber auch der Rückbau ist einfach, da der Mast am Fundament angeschraubt ist.

Nachteile sind sicher die Beeinträchtigung des Landschaftsbildes und der Schattenwurf. Was Lärmemissionen angeht, wehrt Gasser ab: «Da ist nur ein leises Rauschen zu hören, nichts im Vergleich zur Autobahn.» Und eine Windkraftanlage kann Auswirkungen auf die Tierwelt haben.

Nun: Bis sich in der Linthebene oder auf dem Stöcklichrüz Windräder drehen, werden wohl noch einige Sommer ins Land ziehen. Aber wie sagt eine chinesische Weisheit: «Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Schutzmauern, die anderen Windmühlen».