Bahn-Streik in Frankreich fortgesetzt – Kräftemessen mit Macron

Bahnreisende in Frankreich müssen weiter mit grossen Einschränkungen rechnen: Am zweiten Streiktag verkehrte am Mittwoch nur jeder siebte Hochgeschwindigkeitszug (TGV) und jeder fünfte Regionalzug, wie die staatliche Bahngesellschaft SNCF mitteilte.

Die Regierung sprach von «schwierigen Tagen» für Pendler. Im Grossraum Paris bildeten sich laut dem Verkehrsdienst Sytadin Staus von insgesamt 350 Kilometern Länge. Das ist doppelt so viel wie normalerweise. Pendler waren aufgerufen, Mitfahrgelegenheiten zu nutzen.

Der Chef der Linkspartei La France Insoumise (Das unbeugsame Frankreich), Jean-Luc Mélenchon, sprach vom «Auftakt eines sozialen Kräftemessens wie es das Land nur selten erlebt hat». Die Bahngewerkschaften wollen bis Ende Juni im Durchschnitt an drei von fünf Werktagen zum Streik aufrufen.

Der Chef der Gewerkschaft CGT, Philippe Martinez, rief Präsident Emmanuel Macron auf, die «sehr grosse Unzufriedenheit» bei den Bahnbeschäftigten zur Kenntnis zu nehmen.

Macron hat eine Bahnreform angekündigt, mit der er den Personenverkehr ab 2020 – wie von der EU beschlossen – für den Wettbewerb öffnen will. Die Gewerkschaften protestieren vor allem gegen die geplante Abschaffung des beamtenähnlichen Status der Bahnbeschäftigten.

Am Donnerstag ist ein Treffen der Regierung mit den Arbeitnehmervertretern geplant, dann wird der Arbeitskampf vorübergehend ausgesetzt. Von Samstagabend bis Dienstagmorgen sollen nach Angaben der Gewerkschaften aber erneut viele Züge zum Stillstand kommen.