Dicke Luft bei der Kantonalkirche

Voranschlag und Rechnung passierten problemlos die Versammlung der Kantonalkirche. Bild Jürg Auf der Maur

Wirbel bei der Kantonalkirche. Jetzt blockiert eine Beschwerde die Frage eines Beitritts zur römisch-katholischen Zentralkonferenz. Der Ball liegt bei der Rekurskommission. Bei einer Diskussion fielen harsche Worte.

Darf ein Dorfpfarrer oder der zuständige Kirchenrat per Brief darauf aufmerksam gemacht werden, dass, wer das Referendum ergreift, eine Abstimmung verursacht? Ist das schon ein undemokratischer Druckversuch und letztlich sogar unchristlich? Oder darf ein Referendum überhaupt zurückgezogen werden, nur weil das in Gesetz und Statuten nicht ausdrücklich verboten ist? Um solche Fragen stritten sich die Kantonalkirchenräte an der Session vor Freitag in Einsiedeln. Hintergrund war einmal mehr die Frage, ob die Schwyzer Kantonalkirche als letzter Schweizer Kanton der römisch-katholischen Zentralkirche beitreten soll oder nicht. Zwar hat das Kirchenparlament diesen Beitritt bereits gutgeheissen.

Weil aber zuerst fünf Kirchgemeinden das Referendum ergriffen haben, Lachen davon aber wieder zurückgetreten ist, hat sich die Ausgangslage erneut verändert. Die Abstimmung, die auf den 16. November provisorisch datiert war, hätte abgesagt werden können.

Hätte. Denn inzwischen hat Freienbach eine Beschwerde gegen den Rückzug von Lachen eingereicht. Damit ist alles wieder offen. Der Ball liegt bei der Rekurskommission. Je nachdem, wie diese entscheidet, wird es im kommenden Jahr zu einer Abstimmung kommen oder nicht. Der Beitritt bleibt in der Schwebe.

Im Laufe der Diskussion fielen harsche Voten. Was der Präsident und der Vorstand mit dem Schreiben gemacht hätten, sei «hart an der Grenze der Legalität». Damit sei der Kirche insgesamt ein «Bärendienst» erwiesen worden, zeigte sich der Steiner Kantonalkirchenrat Albert Beeler überzeugt. Die ganze Sache sei «aus dem Ruder gelaufen».

Werner Inderbitzin, Präsident des Kirchenvorstands, und Peter Trutmann, Präsident des Kantonalkirchenrats, wehrten sich. «Wir haben niemanden unter Druck gesetzt, sondern akzeptiert, wenn jemand unseren Brief nicht unterschreiben wollte», führte Trutmann aus. Sie erhielten Unterstützung von Aurelia Imlig (Schwyz): «Da wird mit harten Bandagen gekämpft.» Ein informativer Brief sei doch «ein völlig legitimes, demokratisches Mittel».

Der Aufstand der Finanzschwachen scheiterte

Nach wie vor sind die Steuergefälle zwischen den Schwyzer Kirchgemeinden massiv. Deshalb beantragte der Rothen­thurmer Ruedi Beeler, dass künftig 90 und nicht nur 87,5 Prozent der Mittel in den Ausgleichstopf gespiesen werden. Ohne dieses «kleine Zeichen» müssten die finanzschwachen Kirchgemeinden bittere Abstriche machen, unterstützten ihn Andreas Marty (Arth) und Urs Heini (Schwyz).

Illgau bekäme so 20000 Franken mehr. Sonst müssten in zwei, drei Jahren die Steuern erhöht werden, argumentierte die Illgauerin Maria Bürgler. Es nützte nichts. Der Antrag unterlag mit 31 zu 69 Stimmen klar. (adm)