Die Lokomotive zieht ein letztes Mal

Seit 20 Jahren prägt Matthias Hofbauer die Schweizer Unihockey-Szene. Nun steht der 37-jährige Berner vor seiner wohl letzten WM – ohne Wehmut und mit einem letzten grossen Ziel.

Noch hat Matthias Hofbauer seinen Rücktritt per Ende Saison nicht offiziell verkündet. «Man weiss nie», sagt er. Doch eigentlich ist klar, dass die prägendste Figur der Schweizer Unihockey-Szene im kommenden Frühling abtritt. «Im Kopf ist es beschlossen», so der Familienvater. Gut 21 Jahre nach seinem Debüt in der NLA, 19 Jahre nach dem ersten Länderspiel und 14 Jahre nach dem ersten Auftritt im Sportpanorama des Schweizer Fernsehens lodert das Feuer in ihm dank Grossanlässen wie der WM nach wie vor. Nach seiner am Samstag in Prag beginnenden zehnten soll aber Schluss sein – unabhängig davon, wie diese ausgeht und ob im April ein zwölfter Schweizer Meistertitel mit dem SV Wiler-Ersigen dazukommt oder nicht.

Sein Niveau erzwingt den Rückzug keineswegs. Auch mit 37 Jahren zählt Hofbauer im Nationalteam und im Klub zu den Leistungsträgern. Mit dem Alter hat er nichts von seiner Souplesse eingebüsst. Stets passte er sein Spiel in der dynamischen, immer schneller werdenden Sportart erfolgreich an die neuen Begebenheiten an. Zudem war er in seiner ganzen Karriere nie ernsthaft verletzt.

Zu verdanken hat der Schweizer Rekordinternationale (188 Länderspiele) die Beständigkeit auf höchstem Niveau vor allem seinem ausgezeichneten Spielverständnis. Er ist nicht der schnellste und nicht der trickreichste Spieler und auch nicht der mit dem besten Schuss. «Ich kann nicht schiessen!», sagt er selbst trotz seiner 138 Länderspiel- und bald 500 NLA-Treffer. Aber er spielt am Intelligentesten. Was er macht, hat Hand und Fuss und erweist sich oft als entscheidend. «Sein Verständnis fürs Spiel ist ungemein hoch», sagt Thomas Berger, Hofbauers Trainer bei Wiler-Ersigen.

Gepaart mit einer Leidenschaft und Professionalität, wie sie im Nischenprodukt Unihockey selten anzutreffen sind, avancierte Hofbauer trotz dem Schuss-Manko zur absoluten Schlüsselfigur und zum WM-Rekordskorer (90 Punkte). Auch neben dem Feld zieht er die Mitspieler mit seinem Ehrgeiz und der fordernden Art mit. Dabei geht er mit bestem Beispiel voran. Berger, nunmehr in der elften gemeinsamen Saison mit Hofbauer, bezeichnet seinen Schlüsselspieler als «Lokomotive». Hofbauer zieht still, lässt meist Taten sprechen. «Wenn er aber redet, hat sein Wort Gewicht», so Berger.

Es ist nicht anzunehmen, dass Hofbauer vor seiner letzten WM das Wort ergreift, um seine Mitspieler auf den Makel in seinem Palmarès hinzuweisen, den er zu gerne noch beheben würde. Zwar gewann er mit dem Nationalteam sechs WM-Bronzemedaillen, in einen Final schaffte er es aber noch nie, obwohl dieser mehrmals greifbar war. Vor allem über die vergebenen Chancen 2004 und 2012 an den Heim-Weltmeisterschaften ärgert sich Hofbauer. 2004 verlor die Schweiz nach überzeugenden Auftritten den Halbfinal gegen Aussenseiter Tschechien, 2012 gab sie gegen Finnland im Kampf um den Finaleinzug ein 3:1 aus der Hand. «Das nervt», sagt er. Auch deshalb steigt die Schweizer Lokomotive motiviert wie eh in seine zehnte und letzte WM – ohne Wehmut und mit einem letzten grossen Ziel.