48-Jähriger soll drei Frauen sexuell angegangen haben

Ein 48-jähriger Mann muss sich seit Dienstag vor Gericht in Bern wegen diverser Sexualdelikte verantworten. Der Angeklagte ist teilweise geständig. Seine Opfer kämpfen bis heute mit Folgen der Übergriffe.

Der wohl schwerwiegendste Vorfall ereignete sich am Neujahrstag 2011. Dem mutmasslichen Täter gelang es, in der Nähe des Berner BEA-Geländes eine 16-jährige Jugendliche zu überwältigen und hinter eine Trafostation zu ziehen.

Er bedrohte sie mit einem Messer und versuchte, in sie einzudringen, was aber nicht gelang. Schliesslich habe der Mann sie zum Oralverkehr gezwungen, sagte das Opfer am Dienstagmorgen vor dem fünfköpfigen Gericht.

Rund eine Woche nach dem Vorfall sei sie über längere Zeit von häufigen Migräneanfällen geplagt worden, die auch heute noch gelegentlich auftreten würden. Allein zu Hause oder draussen fühle sie sich noch immer unwohl, sagte die junge Frau.

Die Anklage in diesem Fall lautet auf Vergewaltigung oder allenfalls Versuchs dazu. Der Mann gab zwar grundsätzlich zu, die Frau bedrängt zu haben, doch er will den Vorfall anders erlebt haben und deutete eine gewisse Freiwilligkeit des Opfers an. Dies stand deutlich in Kontrast zu den Aussagen der jungen Frau.

Vorfälle über eine lange Zeit

Die drei aktenkundigen Übergriffe auf Frauen sind auf rund ein Dutzend Jahre verteilt. Der erste Vorfall ereignete sich 2006. Damals bedrängte der Mann im Berner Mattequartier eine 32-jährige Frau, die seinerzeit als Teilnehmerin einer Fernsehshow vorübergehend etwas Publizität erhascht hatte. Ihr gelang es, den Angreifer in die Flucht zu schlagen.

Die Mittvierzigerin gab an, den Angeklagten mit Sicherheit identifizieren zu können. Auf einem ihr gezeigten Foto sei sie noch nicht ganz sicher gewesen, aber bei einer Gegenüberstellung habe sie ihn sofort erkannt, nicht zuletzt an seiner Stimme.

Der Angeklagte bestritt indessen den Angriff vehement. «Es ist ein Witz, dass mich diese Frau nach zwölf Jahren an der Stimme wiedererkennen will», sagte er hörbar enerviert.

Der dritte Fall ereignete sich 2017 im Berner Bremgartenwald. Dort packte der Mann eine ahnungslose junge Spaziergängerin und warf sie zu Boden. Die Frau schrie und machte so einen Radfahrer auf sich aufmerksam. Dieser eilte dem Opfer zu Hilfe.

Zwischen Geständnis und Abrede

Insgesamt schwankte der Angeschuldigte immer wieder zwischen Schuldeingeständnissen und Abrede. Er sei kein gewalttätiger Mensch und staune selber, was er getan habe, sagte er dem Gericht.

Der Angeschuldigte versuchte, dem Gericht darzulegen, dass er noch immer eine Hemmschwelle habe, bis zum Äussersten zu gehen. «Ich bin kein hoffnungsloser Fall, den man Jahre wegsperren muss».

Er habe lange daran mit dem Gedanken gespielt, sich selber anzuzeigen. Als er dann von der Polizei geschnappt worden sei, habe er sich erleichtert gefühlt und gewusst: «Jetzt ändert sich etwas in meinem Leben.»

Er befindet sich mittlerweile im vorgezogenen Massnahmenvollzug, wo er eine Therapie absolviert. Ein Gutachten attestiert ihm eine schwere psychosexuelle Störung, was der Angeschuldigte aber vor Gericht nicht gelten lassen wollte. Er habe aus einer Frustration heraus gekifft, getrunken und Frauen belästigt, statt sich den eigenen Problemen zu stellen, versuchte er sein Verhalten zu erklären.

Nebst den drei Übergriffen auf Frauen ist der Mann auch wegen Pornografie angeklagt. Auf Datenträger fanden die Ermittler rund 90 Filme und 1800 Bilder mit kinderpornographischem Inhalt sowie weitere Filme und Bilder mit sexueller Gewalt zwischen Erwachsenen und sexuellen Handlungen mit Tieren.

Am Mittwoch haben Staatsanwaltschaft und Verteidigung das Wort. Das Urteil wird am Freitagnachmittag verkündet.