Maharlika statt Philippinen – Der Trend zur Umbenennung von Staaten

Aus Deutsch-Südwestafrika wurde einst Namibia, aus Persien der Iran und aus Mazedonien diese Woche erst Nordmazedonien. Warum sollten die Philipinnen also künftig nicht Maharlika heissen, wie Präsident Duterte das will? Es gibt weltweit gerade einen gewissen Trend.

Im Jahr 1542 stiess der spanische Entdecker Ruy López de Villalobos im Pazifik auf ein paar neue Inseln. Zu Ehren des damaligen Infanten Felipe, des späteren Königs Philipp II. (1527-1598), gab er ihnen den Namen Las Islas Filipinas: die Philippinen. Ein paar Monate später war der Entdecker tot, gestorben im Gefängnis, an Tropenfieber. Der Name hingegen hält sich nun schon fast ein halbes Jahrtausend. Nur: Wie lange noch?

Der amtierende Präsident Rodrigo Duterte – ansonsten eher durch einen brutalen «Anti-Drogen-Krieg» mit vielen Tausend Toten bekannt – will die Philippinen umbenennen. Sein Vorschlag: Republik von Maharlika. Das geht auf eine Idee zurück, die Diktator Ferdinand Marcos (1917-1989) einst verfolgt hatte. Damals lag sogar schon ein Gesetzentwurf in Manila im Parlament. Mit Marcos‘ Ende geriet die Sache jedoch in Vergessenheit. Bis jetzt.

Maharlika kommt aus der Sprache der Einheimischen (Tagalog). So hiess, noch bevor die Kolonialherren kamen, auf der grössten von mehr als 7000 Inseln eine besondere Klasse von Kriegern. Wörtlich: Männer von Reichtum, Wissen und Geschick. Maharlika lässt sich aber auch mit Adel übersetzen. Oder mit Frieden oder Gelassenheit, wie Duterte das tut. «Marcos hatte Recht», sagt er. «Lasst uns das ändern.» Dazu müsste aber auch die Verfassung geändert werden.

Geteiltes Echo

Das Echo ist geteilt. Der einflussreiche Senator Panfilo Lacson stimmt dem Präsidenten zu. «Philippinen, das ist immer die Erinnerung an 300 Jahre Kolonialherrschaft. Maharlika, das klingt tatsächlich nach uns. Ich wäre stolz, ein Maharlikaner zu sein.» Es gibt aber auch Kritik. Auf Facebook&Co. kommentieren viele, man habe eigentlich grössere Probleme. Der Blogger Francis Baraan schlägt vor: «Können wir stattdessen nicht einfach den Präsidenten wechseln?»

Doch so ungewöhnlich die Idee scheint: Für die Umbenennung eines Staats gibt es zahlreiche Vorbilder. Der Iran hiess früher einmal Persien. Thailand kannte man als Siam. Namibia war Deutsch-Südwestafrika und Myanmar Birma (oder Burma). Vor allem in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wechselten auf den verschiedensten Kontinenten ehemalige Kolonien mit der Unabhängigkeit ihren Namen. Aus Ceylon wurde Sri Lanka, aus Rhodesien Simbabwe, aus Niederländisch-Indien Indonesien, aus Britisch-Honduras Belize.

Es gibt aber auch Beispiele aus allerjüngster Zeit: Namenswechsel scheinen gerade wieder in Mode zu sein. Swasiland, ein Kleinstaat im Süden Afrikas, nennt sich seit vergangenem Jahr eSwatini – tatsächlich mit kleinem e. Die ehemalige jugoslawische Teilrepublik Mazedonien heisst, nach langem Streit mit dem Nachbarn Griechenland, wo es eine gleichnamige Region gibt, seit dieser Woche Nordmazedonien.

Bestrebungen auch andernorts

Anderswo wird über eine Umbenennung nachgedacht. In Kasachstan würden manche gern aus Imagegründen den Namen wechseln: weg von der Endsilbe -stan, weil dies (siehe Afghanistan) mit Krieg und Terrorismus in Verbindung gebracht werde. Und auch wegen des Kino-Erfolgs «Borat», in dem das zentralasiatische Land nicht so richtig gut wegkam. Ein Vorschlag: Kasach Eli (in etwa: «Land der Kasachen»).

Auf der anderen Seite der Erdkugel, in Neuseeland, läuft gerade eine Initiative, Aotearoa zum offiziellen Landesnamen zu machen. So nennen die Maori-Ureinwohner ihre Heimat: «Land der langen weissen Wolke». Bis Ende Februar werden noch Unterschriften für eine Volksabstimmung gesammelt. Auf Reisepässen, Geburtsurkunden und Geldscheinen steht Aotearoa übrigens schon, gleichberechtigt neben New Zealand.

So weit ist man auf den Philippinen noch nicht. Dort heissen bislang einige Strassen, Schulen und Restaurants Maharlika. Und die Basketball-Liga des Landes.