Demonstranten im Sudan trotzen Ausgangssperre nach Militärputsch

Nach dem Putsch im Sudan haben Tausende Menschen am Freitag der Ausgangssperre der neuen Militärregierung getrotzt und weiter protestiert. Etliche Demonstranten verbrachten die Nacht auf dem Platz vor der Militärzentrale in der Hauptstadt Khartum.

Wie Augenzeugen berichteten gab es keine Versuche von Seiten der Sicherheitskräfte, die Sitzblockade aufzulösen.

Nach Monaten regierungskritischer Massenproteste hatten die Streitkräfte am Donnerstag den autoritären Präsidenten Omar al-Baschir abgesetzt. Der 75-Jährige war 30 Jahre an der Macht. Das Militär will nach eigenen Angaben zwei Jahre an der Macht bleiben, um den Weg für freie Wahlen zu ebnen.

Der neue starke Mann ist der bisherige Vizepräsident und Verteidigungsminister Awad Ibn Auf, der jahrelang an al-Baschirs Seite arbeitete. Er verhängte für drei Monate den Ausnahmezustand und ordnete eine Ausgangssperre an.

Oppositionsgruppen verurteilten den Putsch, forderten eine zivile Übergangsregierung und kündigten weitere Proteste an.

Dem Putsch waren monatelange Proteste vorausgegangen. Auslöser war eine Erhöhung der Benzin- und Brotpreise. Tausende wurden festgenommen. Einem Ärzteverband zufolge kamen mindestens 21 Menschen um.

Al-Baschir hatte sich 1989 unblutig an die Macht geputscht. Trotz eines Haftbefehls des Internationalen Strafgerichtshofes wegen Massakern im Ostsudan reiste er wiederholt ins Ausland. Der Sudan mit 40 Millionen Einwohnern gehört zu den 25 ärmsten Länder der Welt.