Nach Ostern ist womöglich noch nicht ganz Schluss

Im Bistum Chur herrscht zur Frage der Nachfolge von Vitus Huonder Schweigen hinter Kirchenmauern. Der Oberhirte des Bistums feiert am Ostersonntag seinen 77. Geburtstag und sollte nach knapp 12 Jahren im Bischofsamt abtreten.

Tatsächlich ist im Prozedere für die Ablösung von Vitus Huonder kein Wort an die Öffentlichkeit gedrungen. Und selbst kurz vor dem 77. Geburtstag des Churer Bischofs herrscht eisernes Schweigen. Alle Namen, die im Zusammenhang mit der Nachfolge des abtretenden Churer Bischofs Vitus Huonder ins Spiel gebracht worden sind, gründen auf Spekulationen.

Als der Churer Bischof dem Papst vor zwei Jahren dem Kirchenrecht folgend den Rücktritt angeboten hatte und ihn der Vatikan ersuchte, noch zwei Jahre zu bleiben, zeigte sich Huonder «dankbar und gerührt». Die zwei Jahre sind um, Huonder wird am Ostersonntag 77 Jahre alt und sollte abdanken. Bereits gab der Kirchenmann bekannt, wo er sich zur Ruhe setzen will: im Knabeninstitut Sancta Maria der Priesterbruderschaft St. Pius#X im st. gallischen Wangs.

Ob der Bischof die Koffer schon gepackt hat? Fragen zur gegenwärtigen Situation in der Bistumsleitung und zur Nachfolge lässt Giuseppe Gracia, Beauftragter für Medien und Kommunikation, mit «Bitte um Verständnis» unbeantwortet. Immerhin verrät er soviel: Dass nächsten Montag ein «kurzes Communiqué» verbreitet werde.

Auch Grab blieb noch ein paar Monate

Da ein Personalwechsel an der Spitze eines Bistums nicht von einem Tag auf den anderen vonstatten geht, ist nicht auszuschliessen, dass Vitus Huonder noch eine gewisse Zeit in Chur bleibt, vermutlich als Apostolischer Administrator.

Neu wäre das für das Bistum mit seinen knapp 700’000 Katholikinnen und Katholiken in sechs Kantonen nicht. Bereits Huonders Vorgänger, Bischof Amedée Grab, wirkte nach seinem 77. Geburtstag noch fünf Monate als Apostolischer Administrator und leitete die Diözese.

Der Neue ab der Dreierliste

Huonder wurde im Juli 2007 zum Bischof gewählt. Wahlgremium in Chur ist das 24-köpfige Domkapital, eine Art erweiterte Bistumsleitung. Es bestimmt den neuen Oberhirten aus einer Dreierliste mit Kandidaten, die vom Vatikan vorgeschlagen wurden. Hat sich das Gremium auf einen Nachfolger geeinigt, muss der Gewählte anschliessend vom Papst bestätigt werden.

Das ursprünglich freie Wahlrecht des Churer Domkapitels wurde eingeschränkt und die Regelung, die im Falle einer Bischofswahl zur Anwendung kommt, existiert seit Mitte 1948. Sie ist festgehalten im päpstlichen Dekret «Etsi salva».

Ein Brückenbauer soll es sein

Vitus Huonder, der sich als Vertreter der katholischen Weltkirche in der Schweiz sieht, polarisierte als Kirchenmann konservativen Zuschnitts stark. Besonders seine Ansichten über Sexualität, Ehe und Familie kamen nicht überall gut an.

Nach einem Vortrag im August 2015 in Fulda in Deutschland, in dem er sich mit Bibelzitaten über Homosexualität ausliess, war sogar sein eigener Sprecher «schockiert». Der Bischof sah sich genötigt, sich zu erklären und schrieb anschliessend von einem Missverständnis.

Einen Brückenbauer für das Bistum wünschen sich viele Katholikinnen und Katholiken. Nicht zum ersten Mal: der gleiche Wunsch wurde geäussert nach den Jahren mit Wolfgang Haas als Churer Bischof. Haas wurde Ende 1997 vom Papst ins Fürstentum Liechtenstein wegbefördert und zum Erzbischof von Vaduz ernannt.

Es kursieren einige Namen, die als mögliche Nachfolger von Huonder im Bischofsamt in Verbindung gebracht wurden. Genannt wurden Martin Grichting, Generalvikar des Churer Bistums, Urban Federer, der Abt des Klosters Einsiedeln, oder der Freiburger Weihbischof Alain de Raemy. Doch mehr als Spekulation ist das nicht.