Tim Berni: «Das Wichtigste ist, Geduld zu haben»

Tim Berni gelingt mit der Vertragsunterschrift für drei Jahre bei den Columbus Blue Jackets der nächste Schritt, in die Fussstapfen der Vorbilder Roman Josi und Mark Streit zu treten.

«Es ist für jeden ein Traum, einen solchen Vertrag unterschreiben zu dürfen», sagte der 20-jährige Verteidiger am Telefon zur Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Er ist sich jedoch im klaren darüber, dass der Weg in die NHL noch weit ist. «Das Wichtigste ist, Geduld zu haben. Ich versuche es, in kleinen Schritten anzugehen.»

Zunächst einmal will Berni, dessen Agent Gaëtan Voisard ist, nun hart an der Physis arbeiten. Er trainiert weiterhin mit dem ZSC – 2015 ist er von seinem Stammverein Dübendorf in die Organisation der Lions gewechselt. Die Spieler erhielten einen Slot für den Kraftraum, «um einzeln ein, zwei Gewichte zu holen». Insofern kann er gut zu Hause trainieren. Berni sieht in der aktuellen Situation auch Vorteile: «Ich kann mich gut personalisieren, spüre, was mir gut tut und was nicht. So kann ich mich auf eine andere Art kennenlernen, was sicher ein positiver Aspekt ist.» Ursprünglich hätte er am 14. März in die Sport-RS einrücken sollen, mittlerweile kann aber auch im nationalen Sportzentrum Magglingen nicht mehr trainiert werden.

Berni wohnt noch bei seinen Eltern. Sein Vater spielte ebenfalls Eishockey (1. Liga), und auch der zwei Jahre ältere Bruder Fabian (GCK Lions) jagt dem Puck nach. Zunächst war Tim Berni Stürmer, ehe der frühere Nationaltrainer Simon Schenk sagte, er solle es mal als Verteidiger versuchen. Insofern erstaunt es nicht, dass Berni einen offensiven Drang hat – wie seine Vorbilder Josi und Streit. Um nur defensiv zu spielen, habe er eine zu kleine Statur, sagte der 1,81 m grosse und 83 kg schwere Athlet.

Das grösste Potenzial sieht er beim Schiessen. Und weil er nicht der Grösste ist, muss er sich in gewissen Situationen cleverer verhalten. Diesbezüglich lernt er viel, in dem er Videos von sich anschaut. Berni ist eher ein ruhiger Typ, keiner der in der Gruppe gross auffallen muss. Dennoch verfügt er über einige Leader-Qualitäten, weshalb er in den Junioren-Nationalteams immer wieder Captain war, zuletzt über den Jahreswechsel an der U20-WM in Tschechien. Die gute Entwicklung im Schweizer Eishockey führt er auf das grössere Selbstvertrauen zurück. «Wir haben gesehen, dass wir mit allen mithalten können», so Berni. Den Saisonabbruch in der National League bezeichnete er als «hartes Brot. Wir freuten uns sehr, auch wegen der guten Ausgangslage». Der ZSC schloss die Qualifikation als Erster ab.

Neben dem Eishockey spielt Berni seit zwei Jahren wieder Gitarre, nachdem er als kleiner Bub schon Stunden genommen hat. In einer Band ist er nicht, ab und zu hält er aber mit seiner Freundin eine Jamsession ab. Ausserdem ist er zu 20 Prozent bei jener Versicherung angestellt, bei der er im letzten Sommer die Lehre abgeschlossen hat. Es ist ihm wichtig, einen Ausgleich zum Sport zu haben.

Während viele Schweizer mittlerweile den Sprung in nordamerikanische Juniorenligen wagen, hatte Berni bis anhin das Gefühl, sich in der Schweiz besser entwickeln zu können. Nun fühlt er sich bereit für den nächsten Schritt. Der Organisation der Columbus Blue Jackets, die ihn 2018 als Nummer 159 gedraftet haben, gehören mit Dean Kukan und Calvin Thürkauf zwei weitere Schweizer an, die Berni allerdings noch nicht persönlich kennt.

Kontakt hatte er aber mit dem früheren Lugano-Goalie Elvis Merzlikins, der seit dieser Saison für die Blue Jackets tätig ist. Berni war ausserdem schon zweimal im Sommer in Columbus im Camp und nahm einmal am Rookie-Turnier teil. «Es ist eher eine ruhige Stadt, was mir gut passt. Der Vertrag gibt mir viel Motivation. Ich freue mich extrem auf die Herausforderung», so Berni.