«Die Gesundheit der Schweizer Bevölkerung ist wichtiger»

Trotz Corona feiern die YB-Spieler im Tourbillon in Sitten ausgelassen. Dank dem 1:0 gegen Sion sichern sie sich die Meisterschaft vorzeitig. Für Fabian Lustenberger ist es der erste Titel.

«Ich bin müde, erleichtert und Stolz», sagte Fabian Lustenberger, als seine Kollegen im Hintergrund noch immer lauthals feierten. «Wir haben uns belohnt für eine komische und turbulente Saison.» Der dritte 1:0-Erfolg in Serie reichte den Bernern, um den Sack zuzumachen und einer Finalissima am Montag gegen St. Gallen aus dem Weg zu gehen. «Die Corona-Pause war sicher kein Nachteil für uns, weil wir dank dem guten Kader am Ende viel wechseln und rotieren konnten», so Lustenberger.

Für den 32-jährigen Luzerner ist es der erste Titelgewinn der Karriere. Er, der mehr als ein Jahrzehnt bei der Hertha in Berlin unter Vertrag gestanden hatte, war im letzten Sommer als Nachfolger von Steve von Bergen geholt worden und erfüllte die in ihn gesteckten Erwartungen vollends. «Ich habe versucht, vorne weg zu gehen und der Mannschaft mit Leistung zu helfen», sagte Lustenberger. Das sei ihm nicht schlecht gelungen. «Letztlich habe ich aber nur meinen Teil dazu beigetragen wie jeder der anderen 25 Spieler auch.»

In Sitten hatte Lustenberger wie auch David von Ballmoos grossen Anteil am Sieg. Der Innenverteidiger hielt vor allem in der zweiten Halbzeit die Abwehr der Berner zusammen, als der Gastgeber mit Leidenschaft, aber ohne klares Konzept den Ausgleich zu erzwingen versuchte. Und Keeper von Ballmoos war zur Stelle, als es ihn brauchte.

Zum dritten Mal in Folge siegten die Berner zu Null – als Folge der zuletzt stark verbesserten Defensive. In Neuenburg, gegen Luzern und nun auch in Sitten hatte YB dem Gegner kaum Torchancen zugestanden. «Das sind Resultate einer Spitzenmannschaft und zeugt von einer gewissen Klasse», sagte Lustenberger. Und Marco Wölfli, dem sich nun am Montag gegen St. Gallen die Chance bietet, auf dem Feld seine Karriere zu beenden, sagte mit einem dicken Stumpen in der Hand: «Bekanntlich gewinnt die Offensive ein Spiel, die Defensive aber die Meisterschaft.»

Auch Gerardo Seoane liess seiner Freude freien Lauf, als Schiedsrichter Tschudi die Partie im Tourbillon abgepfiffen hatte. Später gab sich der Trainer wieder gefasst und appellierte an die Vernunft der Berner Fans, im kleinen Kreis zu feiern: «Trinkt gemütlich ein Bier, aber die Gesundheit der Schweizer Bevölkerung ist immer noch wichtiger als der Schweizer Meistertitel.»

Im Gegensatz zu letzter Saison, als die Berner bereits nach Beginn der Rückrunde der Konkurrenz praktisch uneinholbar enteilt waren, mussten sie nun bis fast am Schluss zittern. «Der Spannungsbogen ist natürlich ein anderer», so Seoane, verwies dabei aber auf den grossen Umbruch, den das Team vor einem Jahr durchlief. Die Konkurrenz konnte davon wie von der zwischenzeitlichen Auswärtsschwäche der Berner allerdings nur bedingt profitieren.

Mit dem Cup bietet sich YB nun sogar die Chance auf das Double. «Zuerst geniessen wir einmal diesen Moment», sagte Seoane. «Aber wer die Spieler und mich kennt, weiss, dass sobald bald wir den Haken gemacht haben und den Titel richtig fassen können, wir wieder vorwärts schauen.»