Künstlerisches Spiel mit dem grossen Knall im Museum Tinguely Basel

Die in Berlin lebende Künstlerin Katja Aufleger offenbart ein schalkhaftes Faible für explosive Mixturen, die sie aber vor dem grossen Knall einfriert. Eine Auswahl ihrer Installationen und Videos ist in der Ausstellung «GONE» im Museum Tinguely Basel zu sehen.

Das Kugelstosspendel «Newton’s Cradle» gehört gewissermassen zum Büroalltag. Auf vielen Schreibtischen findet man die kleinen Gebilde mit den aufgehängten Kugeln, die eines der Geheimnisse kinetischen Energie offenbaren.

Die Riesenversion des «Newton’s Cradle» in der grossen Halle des Museums Tinguely sollte man nicht in Bewegung setzen. Erstens sind die Kugeln aus zerbrechlichem Glas und zweitens sind sie mit den drei flüssigen Substanzen gefüllt, aus denen der höchst erschütterungsempfindliche Sprengstoff Nitroglycerin zusammengesetzt ist.

Das mit den höchst gefährlichen Substanzen sei wirklich so und nicht nur Ansage, beteuert die Deutsche Künstlerin mit Jahrgang 1983. Das erfährt man als Besucher oder Besucherin aber erst, wenn man sich im Saaltext darüber informiert. Im ersten Moment steht man von einer anziehend ästhetischen Installation, in der sich die Umgebung auf reizvolle Art spiegelt. Deren explosive Gefährlichkeit zeigt sich erst, wenn man die Hintergrundinformationen hat.

Schön und gefährlich

Dieses hintersinnige Spiel mit der hoch ästhetischen Oberfläche und dem gefährlich fragilen Inhalt zieht sich auch im weiteren Verlauf der Kabinett-Ausstellung «Katja Aufleger. GONE» weiter. Im Vorraum zu Tinguelys apokalyptischem Spätwerk «Mengele-Totentanz» trifft man auf eine Serie wunderschöner biomorph geformte Glasvasen mit zwei oder drei miteinander verschmolzenen Kammern. Sie sind mit farbigen flüssigen und festen Substanzen gefüllt.

Der Titel der Arbeit «BANG» suggeriert, dass auch hier Gefahr droht. Denn zusammengemischt würden in dem durch die Vasengrösse vorgegebenen Volumenverhältnis höchst explosive Mixturen entstehen.

Mit diesen und weiteren Werken geht Aufleger an die Grenzen der folgenschweren Gefährlichkeit, um den Prozess unmittelbar davor einzufrieren. Sie geht damit weniger weit als der Hauskünstler Jean Tinguely, der seinen internationalen Durchbruch in den 1960er-Jahren mit selbstzerstörenden Installationen geschafft hatte.

Nur in einer Arbeit bewegt sich die Künstlerin darüber hinaus: In der Video-Arbeit «LOVE AFFAIR» sind in Nahaufnahmen Leuchtkörper zu sehen, die zerspringen.

Da hatte die Künstlerin auf martiale Art nachgeholfen, indem sie mit einem Luftgewehr darauf geschossen hatte – wie einst Niki de Saint-Phalle, die langjährige Lebenspartnerin Tinguelys, die mit ihren Schiessbildern für Furore gesorgt hatte.

Die Ausstellung «Katja Aufleger. GONE» im Museum Tinguely dauert bis 14. März 2021. Gleichzeitig zeigt die Basler Galerie Stampa Werke der Künstlerin.