Die diffizile Arbeit im Berner Biosicherheitslabor mit Coronaviren

Unter strengsten Sicherheitsregeln infizieren Forschende in einem Berner Labor menschliche Zellen mit dem Coronavirus. Sie wollen die Folgen der durch Sars-CoV-2 verursachten Entzündungsreaktionen im Herz-Kreislauf-System entschlüsseln.

Mit Ganzkörper-Schutzanzügen, luftfiltrierenden Hauben mit Gesichtsvisieren und durch eine Schleuse mit zwei Türen gelangen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ins Biosicherheitslabor der Stufe 3. Dieses befindet sich im Zentrum für Translationale Medizin und Unternehmertum in Bern (sitem-insel). Hier wird unter strengen Sicherheitsregeln an krankmachenden Mikroorganismen geforscht, die für Menschen hochansteckend sind – zum Beispiel Sars-CoV-2.

Zellspezifische Reaktionen untersuchen

Im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms «Covid-19» (NFP78) versuchen die Forschenden um die Biomedizinerin und Studienleiterin Yvonne Döring von der Universität und des Inselspital Bern, zellspezifische Reaktionen auf eine Infektion mit dem Coronavirus zu entschlüsseln. «Schwere Covid-19-Verläufe können Schäden in der Lunge anrichten», sagte Döring während eines Laborbesuchs zur Nachrichtenagentur Keystone-SDA. «Gleichzeitig wissen wir, dass die Krankheit auch andere Organe in Mitleidenschaft zieht.»

Welche Zellen aber tatsächlich mit Sars-CoV-2 infiziert werden könnten und wie sich dies auf die Langzeitfolgen einer Coronavirus-Infektion auswirke, werde noch nicht ausreichend gut verstanden. Deshalb nehmen die Forschenden in ihrem Projekt die Zellen der Blutgefässwand, der Blut-Hirn-Schranke und Herzmuskeln genauer unter die Lupe.

Keine Chance auf ein Entkommen

Die Schutzausrüstung bewahrt die im Biosicherheitslabor tätigen Forschenden vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus. Aber wie wird dafür gesorgt, dass das Virus nicht aus dem Labor entwischt? «Das Biosicherheitslabor ist wie eine Zwiebel von vielen Schalen umhüllt», sagte die Leiterin des Biosicherheitszentrums des Instituts für Infektionskrankheiten der Uni Bern, Kathrin Summermatter.

Mit Sicherheitslabors kennt sie sich aus: Sie hat ein Mandat der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und inspizierte bereits während drei Missionen Labors in den USA und Russland, wo mit hochansteckenden Pockenviren gearbeitet wird.

Das Berner Labor ist mit Kameras und einem Alarmsystem ausgestattet. Die Abluft aus dem Labor, wo Unterdruck herrscht, wird gefiltert. Wenn die Forschenden das Labor verlassen, desinfizieren sie ihre Schutzanzüge und schlüpfen zurück in ihre Freizeitkleider. Ausserdem werden alle Abfallprodukte dekontaminiert. So soll wirklich kein Virus den Weg in die Stadt Bern finden. Tatsächlich sei ein solcher Vorfall höchst, höchst unwahrscheinlich, sagte Summermatter.