Ismail Hanija als Hamas-Chef bestätigt

Ismail Hanija (58) ist als Chef der islamistischen Palästinenserorganisation Hamas im Amt bestätigt worden. Er bleibt damit Vorsitzender des Politbüros der im Gazastreifen herrschenden Organisation, wie das zuständige Wahlkomitee am Montag mitteilte.

Sein Vize ist weiterhin Saleh al-Aruri. Zuletzt hielt Hanija sich vor allem in Katar auf.

Die Hamas ist nach der Fatah-Partei von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas die zweitgrösste Palästinenserorganisation. Das Politbüro hat 15 Mitglieder und trifft Entscheidungen in letzter Instanz. EU, USA und Israel stufen die Hamas als Terrororganisation ein.

Der 2017 zum Hamas-Chef gewählte Hanija gilt als Teil des etwas pragmatischeren Flügels der Organisation, der Gaza-Chef Jihia al-Sinwar dagegen als radikaler. Hanija wurde am 23. Mai 1963 im Schatti-Flüchtlingslager im Gazastreifen geboren und wuchs dort in ärmlichen Verhältnissen auf.

Er ist Sohn eines Fischers, seine Familie war während des ersten Nahostkriegs 1948 aus einem Ort nahe der heutigen israelischen Küstenstadt Aschkelon geflohen. Hanija studierte in Gaza arabische Literatur und begann an der Universität seine politischen Aktivitäten in einer islamischen Studentengruppe.

Während des ersten Palästinenseraufstands Intifada, der 1987 begann, verurteilte Israel ihn zu einer dreijährigen Haftstrafe. 1992 wurde Hanija gemeinsam mit radikalen Hamas-Führern in den Südlibanon deportiert, ein Jahr später kehrte er in den Gazastreifen zurück.

Nach einem Wahlsieg der Hamas 2006 wurde Hanija Ministerpräsident. Im Jahr darauf riss die Hamas nach einem blutigen Bruderkrieg gegen die Fatah die alleinige Macht im Gazastreifen an sich. Seither regiert Abbas faktisch nur noch im Westjordanland, die Hamas im Gazastreifen, alle Versöhnungsversuche scheiterten bislang.