Die Storys von Emma Raducanu und Leylah Fernandez ähneln sich

Leylah Fernandez und Emma Raducanu schreiben am US Open in New York ein Tennis-Märchen. Es ist der erste Teenager-Final seit 1999 und dem Duell zwischen Martina Hingis und Serena Williams.

Das Frauen-Tennis sah viele neue Gesichter in den vergangenen Jahren. Allein an Grand-Slam-Turnieren schrieben sich seit dem US Open 2015 13 neue Spielerinnen in die Siegerliste ein. Am Samstag wird die Vierzehnte folgen.

Und doch erhält das diesjährige Turnier in Flushing Meadows eine historische Note. Mit Emma Raducanu qualifizierte sich erstmals überhaupt eine Qualifikantin für einen Grand-Slam-Final. Gerade einmal vor drei Monaten hatte die 18-jährige Britin ihr Debüt auf der WTA Tour gegeben. Als Nummer 338 der Welt stürmte sie in Wimbledon in die Achtelfinals, nun spielte sie sich als Nummer 150 ohne Satzverlust in ihren ersten Grand-Slam-Final. Es ist eine Geschichte, die auch in der langen Historie des Tennis ihresgleichen sucht.

So cool und unerschrocken Raducanu auf dem Platz auftritt, so reif und reflektiert ist sie daneben. «Wenn man jung ist, spielt man frei auf. Aber ich bin mir sicher, wenn ich älter und erfahrener bin, werde auch ich den Druck verspüren», sagte die 18-Jährige, die vor wenigen Monaten ihre Abschlussprüfungen in Mathematik und Wirtschaft geschrieben hat.

Harte Arbeit und Disziplin habe sie schon früh von ihrer chinesischen Mutter gelernt. Auch deswegen ist Li Na, die erste chinesische Grand-Slam-Siegerin, eines von Raducanus Vorbildern. «Als ich jünger war, hat sie mich inspiriert. Sie war eine unglaubliche Wettkämpferin.» Noch heute erinnert sich die Britin an den French-Open-Final 2011. «Ihre mentale Stärke und ihre Widerstandsfähigkeit in diesem Match sind in meinem Kopf haften geblieben.»

Schweiss, Blut und Tränen

Einen noch grösseren Hype als Raducanu löste Leylah Fernandez in Flushing Meadows aus. Spätestens seit dem Sieg gegen Titelverteidigerin Naomi Osaka in der 3. Runde, dem ersten von drei gegen eine Top-5-Spielerin, war die 19-Jährige aus Montreal in aller Munde. Sie traf Billie Jean King, die Grande Dame des Tennis, ebenso wie Juan Martin Del Potro, den US Open-Sieger von 2009. Und bei ihrem Sieg gegen Aryna Sabalenka sass Steve Nash, der ehemalige Basketballer aus Kanada und heutige Trainer der Brooklyn Nets, in ihrer Box.

Viel Schweiss, Blut, Tränen und Opfer habe sie erbringen müssen, um hierher zu gelangen, sagte Fernandez nach dem Halbfinal noch auf dem Platz. «Viele haben an mir, meiner Familie und meinen Träumen gezweifelt», sagte sie später. «Eine Lehrerin sagte mir einst: Hör auf Tennis zu spielen, du wirst es nie schaffen. Konzentriere dich auf die Schule.» Noch heute habe sie diesen Satz im Kopf – jeden Tag. «Denn ich werde ihr beweisen, dass ich all das, von dem ich geträumt habe, auch erreichen werde.»

Die Biographien von Fernandez und Raducanu ähneln sich. Beide haben eine asiatische Mutter und einen nicht in ihrem Heimatland geborenen Vater. Und beide besitzen den kanadischen Pass. Raducanu war in Toronto geboren, ehe sie als Zweijährige mit ihrer Familie nach London zog. Bereits in frühen Jahren liefen sich die beiden an der Orange Bowl über den Weg, später traten sie im Juniorinnen-Turnier in Wimbledon erstmals gegeneinander an. Engen Kontakt hätten sie laut Raducanu zwar nicht, «aber wir kommen gut miteinander klar».