Richemont stellt sich gegen Zuwahl des Bluebell-Kandidaten

Der Verwaltungsrat des Uhren- und Schmuckkonzerns Richemont will keinen Vertreter des aktivistischen Investors Bluebell Capital in das Gremium aufnehmen.

Nach sorgfältiger Abwägung werde den Aktionärinnen und Aktionären empfohlen, an der Generalversammlung vom 7. September gegen die Zuwahl des von Bluebell vorgeschlagenen Kandidaten zu stimmen, heisst es in der am Montag publizierten Einladung.

Das bedeutet, dass sich Richemont gegen den von Bluebell jüngst vorgeschlagenen Verwaltungsratskandidaten und langjährigen Chef der italienischen Luxusmarke Bulgari, Francesco Trapani, stellt. Zu den Gründen für diesen Entscheid werde sich Richemont zu einem späteren Zeitpunkt äussern, heisst es weiter.

Kampfwahl zwischen Luhabe und Trapani

Der Konzern schlägt hingegen Wendy Luhabe als Vertreterin der Inhaber von Aktien der Klasse A im Verwaltungsrat vor. Sie sitzt bereits seit 2020 im Verwaltungsrat. Damit zeichnet sich zwischen Luhabe und Trapani eine Kampfwahl ab, die ausschliesslich unter den A-Aktionären ausgefochten wird. Das über die B-Aktien abgesicherte Stimmengewicht der Familie um Präsident Johann Rupert kommt in dieser Wahl nicht zum Tragen.

Das Aktienkapital von Richemont besteht aus 522 Millionen Namenaktien der Klasse A mit einem Nennwert von 1 Franken sowie 522 Millionen Namenaktien der Klasse B mit einem Nennwert von 0,10 Franken. Ruperts Familienholding hält die B-Aktienanteile und damit verbunden 10 Prozent des gesamten Aktienkapitals. Bei einem Stimmrecht von 1:1 kontrolliert Rupert dadurch rund 50 Prozent der Stimmen.

Gegen Statutenänderungen

Auch den weiteren Anträgen von Bluebell zu Statutenänderungen erteilt der Richemont-Verwaltungsrat um Johann Rupert eine Absage. Diese zielen darauf ab, mit zusätzlichen Vertretern der A-Aktionäre im Verwaltungsrat den Einfluss der Gründerfamilie als Halterin der Aktien der Klasse B zu schmälern.

Bluebell hält an Trapani als Kandidaten fest und lehnt Luhabe als A-Vertreterin ab. Schliesslich werde sie von dem von den B-Aktionären dominierten Gremium vorgeschlagen und sei heute sogar Teil davon, kritisierte Bluebell-Partner Giuseppe Bivona das Vorgehen von Richemont im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AWP.

Das Vorgehen von Richemont sei Beweis dafür, wie wichtig die Wahl eines unabhängigen Vertreters wie Trapani sei, fuhr Bivona fort. Als grossen Fortschritt bezeichnet er indes die Möglichkeit, dass die A-Aktionäre eine Vertreterin oder einen Vertreter in den Verwaltungsrat wählen dürfen. Wieviel Bluebell an Richemont hält, ist nicht bekannt.