Eine Knieverletzung als Initialzündung

Die Schweizer Handballer starten mit einem Länderturnier in Tunesien in die Saison mit der EM in Deutschland als Höhepunkt. Mit dabei ist Kreisläufer Lukas Laube, der sich prächtig entwickelt hat.

21. März 2021. Der HC Suhr Aarau gibt bekannt, dass es sich bei der im Training erlittenen Verletzung von Lukas Laube um eine Patellaluxation sowie einen Riss im Knorpel im Knie handelt. Der heute 23-Jährige sieht den Rückschlag als Chance, legt massiv an Muskelmasse zu und kehrt stärker denn je zurück. Am 7. Januar 2022 gibt er in Mannheim gegen Deutschland (26:30) sein Debüt im Nationalteam.

Die Reaktion auf die Verletzung sagt vieles über ihn aus. Laube spielte zunächst Fussball, ehe er mit zehn Jahren zum Handball wechselte. 2022 verliess er Suhr Aarau in Richtung GC Amicitia Zürich, in diesem Februar wagte er mit einem Vertrag bis 2026 den Sprung nach Deutschland zum Bundesligisten Stuttgart.

Schwieriger Start

Dort musste er zunächst hartes Brot essen. Das Team befand sich im Abstiegskampf, Laube kam kaum zum Einsatz. Erstmals vom gewohnten Umfeld weg zu sein, machte das Ganze noch schwieriger. Zupass kam ihm, dass mit Samuel Röthlisberger ein Landsmann seit 2017 für Stuttgart spielt. «Das war angenehm, er konnte mir extrem helfen», sagt Laube im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

In der Vorbereitung auf die aktuelle Saison gab er Vollgas – das zahlte sich aus. Er ist aktuell am Kreis die Nummer 1 bei Stuttgart – vor dem erfahrenen Marino Maric, der mit Kroatien unter anderem 2020 EM-Silber gewonnen hat. Laube profitiert davon, dass er in der Verteidigung vielseitig einsetzbar ist und auch offensiv überzeugt. 34 Toren in elf Partien stehen acht Fehlwürfen gegenüber.

Die gute Abschlussquote von über 80 Prozent kommt nicht von ungefähr. Laube analysiert die gegnerischen Torhüter genau. «Ich schaue mir zwei Spiele des nächsten Gegners an und beobachte wie sich der Goalie bewegt, ob er mehr mit den Händen oder viel mit den Beinen arbeitet, ob er auf der Linie bleibt oder entgegenspringt», erzählt Laube. Auch die eigenen Würfe analysiert er. «So extrem wie in der Bundesliga machte ich das zuvor nicht.» Zudem profitiert er von den Tipps von Maric. «Es ist genial, einen solchen Mitspieler zu haben.»

Hilfe vom Mentaltrainer

Dass sich Laube dermassen rasch an das höhere Niveau gewöhnt hat, hängt auch damit zusammen, dass er seit drei Jahren punktuell mit einem Mentaltrainer zusammenarbeitet und gelernt hat, stets bei sich zu bleiben. «Es ist eine Herausforderung, sich mit einem selber auseinanderzusetzen, da du tief in dich gehen musst», sagt Laube. Eines der Themen war auch das Abschalten. Er hat Techniken erarbeitet, die ihm dabei helfen, herunterzufahren, egal ob ein Spiel gut oder schlecht gelaufen ist. «Der Kopf ist das A und O.»

Druck ist für Laube grundsätzlich nichts Schlechtes, er könne jedoch zu gross werden. Als seine Stärke bezeichnet er, dass «ich ein Kämpfer bin und nie aufgebe». Und seine Schwäche? «Ich bin auf und neben dem Feld ungeduldig, hasse es, wenn ich warten muss oder etwas nicht so geht, wie es sollte.» Zudem übertreibe er es manchmal mit dem akribischen Arbeiten und verliere dadurch zu viel Energie.

Ausgeglichene Liga

Laube hat in der Bundesliga Fuss gefasst, und diese präsentiert sich derzeit so ausgeglichen wie lange nicht mehr. Stuttgart liegt mit sieben Punkten auf dem 13. Platz, fünf Zähler hinter dem fünftklassierten Titelverteidiger Kiel und zwei Punkte vor dem Tabellenletzten Balingen-Weilstetten. Einen der drei Siege holte Stuttgart gegen das Topteam Flensburg-Handewitt (4./34:31). Das unterstreicht, was für Laube und Co. an einem guten Tag möglich ist.

Vorerst gilt aber sein Augenmerk dem Nationalteam, das in Tunesien von Donnerstag bis Samstag auf den Gastgeber, Portugal sowie Österreich trifft. Es ist ein guter Test im Hinblick auf die EM im Januar in Deutschland.

Das Schlusswort gehört Nationaltrainer Michael Suter. Dieser sagt über Laube: «Er ist mit seiner Vielseitigkeit sehr wertvoll, und du weisst, was du an ihm hast.» Die Schufterei nach der Verletzung hat sich für den 1,93 m grossen und 100 kg schweren Kreisläufer auf jeden Fall gelohnt.