Er vertritt die Schweiz am Eurovision Song Contest für Fans
Dank dem Eurovision Song Contest (ESC) hat er zur Musik gefunden: Für Francisco Borges Ribeiro ist 2025 besonders, weil der Musikwettbewerb in der Schweiz stattfindet - und auch, weil er im Sommer am Fanvision Contest antritt, dem Wettbewerb für die ESC-Fans.
Es fühle sich fast so an, als müsse er etwas organisieren, als trage er eine grosse Verantwortung. Die Aufregung um die Tatsache, dass im Mai der ESC in Basel über die Bühne gehen wird, ist bei Francisco Borges Ribeiro sichtlich gross: «Es ist das erste Mal für mich, dass der ESC dort stattfindet, wo ich lebe», sagt er der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.
An den Moment, der ihn zur Musik gebracht hat, erinnert sich Borges Ribeiro gut. Es war im Jahr 2009, im Fernsehen lief der ESC-Final. Als ein Sänger mit seiner Violine zu einem stampfenden Takt spielte, geriet der damals vierjährige Borges Ribeiro sofort in den Bann dieser Musik. Es war der norwegische Teilnehmer Alexander Rybak, der den Wettbewerb mit dem Song «Fairytale» für sich entschied. «Später an diesem Abend sagte ich meinem Vater, dass ich Geige spielen will.»
Inspiration Alexander Rybak
Die Violine ist nicht mehr sein Instrument, heute singt der 20-Jährige. Am Konservatorium Neuenburg absolviert Borges Ribeiro ein Studium im Fach Musical. Gesang, Tanz und Theater stehen hier auf dem Programm. Als wäre das nicht genug, studiert der in Biel lebende ESC-Fan in Bern Informatik, Mathematik und Physik.
Seit dem ESC-Sieg von Alexander Rybak verfolgt Borges Ribeiro den Musikwettbwerb jedes Jahr intensiv. Das beginnt bereits bei den nationalen Vorentscheiden der teilnehmenden Länder. Wenn er kann, dann reist er auch ins Gastgeberland zur Show – 2018 etwa, im Alter von 13 Jahren, nach Lissabon.
Er wusste: «Nemo wird gewinnen»
Oder vergangenes Jahr in Malmö: «Als ich den Song ‘The Code’ live am Halbfinal erlebte, bestätigte sich die Favoritenposition von Nemo», erinnert sich Borges Ribeiro. «Ich musste sogar ein bisschen weinen.» Der Applaus in der Arena sei so überwältigend gewesen, dass Borges Ribeiro wusste: «Nemo wird das Ding gewinnen.»
Als Teenager sei es gar nicht so einfach gewesen, Gleichgesinnte zu treffen, die seine Leidenschaft teilen, sagt Borges Ribeiro. Zwar konnte er seine Partnerin dafür begeistern, die ihn im letzten Jahr nach Schweden begleitete. Eines Tages stiess er dann auch auf den Eurovision Club Switzerland. Dieser ist einer der über 40 Fanclubs aus ganz Europa, die der Dachorganisation Générale des Amateurs de l’Eurovision, kurz OGAE, angegliedert sind. «Es ist schon speziell, wenn man plötzlich unter so vielen Menschen ist, die die gleiche Begeisterung für den ESC aufbringen können», so Borges Ribeiro. «Es war sofort ein Bund zwischen mir und den anderen da, wir sind wie eine Familie.»
Für die Schweiz an den ESC für Fans
Über diesen Weg gibt es für Borges Ribeiro neben der Austragung des ESC in Basel dieses Jahr einen weiteren Höhepunkt: Im Juli wird er für die Schweiz am Fanvision Contest antreten. Der Musikwettbewerb ist sozusagen eine Coverversion des originalen ESC und richtet sich an Fans. Die Fanclubs der teilnehmenden Länder schicken je eines ihrer Mitglieder ins Rennen. 2025 findet er in Malta statt. Francisco Borges Ribeiro wird also für die Schweizer Fans in den Wettbewerb gehen.
Welchen Song er performen wird, sei noch geheim. Gewählt werden muss ein Beitrag, der an einem ESC oder nationalen Vorentscheid gesungen wurde, egal von welchem Land. Borges Ribeiro verriet nur soviel: «Es wird ein moderner Song, der 2019 am ESC-Final performt wurde.» Obwohl er die Möglichkeit für instrumentale oder tänzerische Unterstützung hätte, wolle er seinen Auftritt simpel und intim halten. «Statt viel Bling-Bling soll es eine sehr persönliche Performance sein», so der angehende Musical-Darsteller.
Momentaner Favorit ist Österreich
Vor der Cover-Version des ESC geht er aber an den originalen Musikevent. Um Tickets für Basel musste auch der Fan hart kämpfen. Eigentlich hätte er gerne beide Halbfinals und den Final sowie sämtliche Afternoon-Preview-Shows besucht, wie er sagt. Gereicht hat es immerhin für die Live-Show des ersten Halbfinals und für drei Aftenoon-Preview-Shows, die vor der eigentlichen Live-Show stattfinden. Alles andere würde er sich zu Hause anschauen.
Anfang März stand noch der finnische Beitrag «Ich Komme» weit oben auf Borges Ribeiros Lieblingsliste der diesjährigen ESC-Songs. Die Künstlerin Erika Vikang singt darin von sexueller Selbstbestimmung. Als der österreichische Beitrag, der Song «Wasted Love» des Countertenors JJ, bekannt wurde, führte dann dieser Borges Riberios Topliste an: «Er hat eine unglaubliche Stimme und auch der Songtext ist sehr gut.»
Und was hält er von Zoë Mës «Voyage»? «Ich war so erleichtert, dass sie nicht auf Englisch singt», so Borges Riberio. «Ich finde, da haben sie und ihre Mitarbeitenden einen prima Job gemacht, der Song ist stimmig und bringt eine erfrischende Ruhe in den Wettbewerb.» Seitdem der Chanson erschienen ist, höre er ihn täglich nonstop. Er habe das Lied selber auch bereits gesanglich einstudiert und spiele es auf dem Klavier. Und: «Französisch funktioniert immer gut am ESC, wahrscheinlich empfinden Europäer die Sprache als besonders romantisch.»