Auf den richtigen Namen kommt es an
Die eigene Herkunft war für die Menschen schon immer wichtig, heute vielleicht verstärkt in dieser globalisierten und von Migrationsbewegungen geprägten Welt. So mag es kaum erstaunen, dass der Vortrag «Deutung und Bedeutung von Schwyzer Familiennamen – mit besonderem Augenmerk auf die Ausserschwyzer Landleutegeschlechter » auf sehr grosses Inter-esse
stiess. Der vom Verein für Familienforschung March und Nachbarregionen (FPF) gemietete Saal im Landgasthof «Mühlebach» in Altendorf erwies sich jedenfalls als zu eng für den enormen Zuschaueraufmarsch. Das lag sicher auch an der angekündigten Referentin: Nathalie Henseler Pfyl ist in der Zentralschweiz als (Berg)-Namensforscherin, Unternehmerin und politisch engagierte Powerfrau bestens bekannt, spätestens seit ihrem Auftritt bei «Aeschbacher» im Jahr 2012. Das Thema ihrer demnächst erscheinenden Dissertation lautet «Die Schwyzer Landleutegeschlechter» und bildete die Grundlage für das Referat vom vergangenen Samstag, wobei Dr. des. Henseler den Schwerpunkt auf Ausserschwyz legte.
Ausserschwyzer Landleutegeschlechter gehören seit Generationen einer altrechtlichen Genossame oder Korporation an. Sie durften das Land der Genossame bewirtschaften (Landrecht) und an der Landsgemeinde teilnehmen. Frau Henselers Ansatz, die Herkunft und Bedeutung von Familiennamen auf der Grundlage von Korporationszugehörigkeiten zu erforschen, ist neu und nicht universell anwendbar (Deutschland und Österreich kennen zum Beispiel kein Gemeindebürgerrecht). Die Zweinamigkeit (Vorund Nachname) ist in unserer Gegend erst seit circa 1200 n. Chr. verbreitet. Für den Kanton Schwyz hat die Referentin insgesamt 290 bereinigte Familiennamen untersucht und beschrieben. Einerseits interessierte sie dabei der Familienname selbst, und zwar seine sprachliche Bedeutung, nicht der Stammbaum. Die Heraldik war dabei keine grosse Hilfe, da Familienwappen meist vom Namen abgeleitet sind und nicht umgekehrt. Die Einteilung der Namen in Kategorien zeigt, dass das wichtigste Kriterium die geografische Herkunft ist, das heisst ein Dorf, ein Flurname oder gar eine spezifische Wohnstätte (sogenannte Toponyme), vor Rufnamen und Tätigkeitsnamen. Zur ersteren Gruppe gehören die Steinegger, Höfliger und Wattenhofer. Anderseits hat sie die Verbreitung dieser Geschlechter ausserhalb von Schwyz untersucht (bzw. umgekehrt auswärtige Geschlechter in Schwyz) und Hypothesen über die mittelalterlichen Beziehungen zwischen den Regionen abgeleitet. Nicht überraschend nehmen Zug, Zürich, Glarus und die Ostschweiz dabei eine dominierende Stellung ein, während für Uri und Luzern kaum gegenseitige Verknüpfungen mit Schwyz festgestellt wurden. Interessant ist ebenfalls, dass Schwyzer National- und Ständeräte seit 1848 fast ausnahmslos Landleute sind, was zeigt, dass alteingesessene Namen eher gewählt werden.
Die folgende Fragerunde wurde rege genutzt, und manch einer wollte mehr über seinen Familiennamen erfahren. Dabei überraschte vor allem eine Information über den Namen Züger, welcher in der March bekanntlich zu den Spitzenreitern gehört: Er stamme vermutlich von der Tätigkeit «Zeugherr» (Chef des Zeughauses) ab, nicht von «ziehen» oder «bezeugen».
An der anschliessenden GV des FPF nahmen 38 Stimmberechtigte teil. Vorstandsmitglied Erich Keller konnte ein erfreuliches Wachstum des Mitgliederbestands von 117 auf 124 vermelden. Für den zurücktretenden Alois Schuler (Schindellegi) rückt Walter Ruoss-Schuler (Tuggen) in den Vorstand nach. (arb) Die Schwyzer Linguistin und Namensforscherin Nathalie Henseler Pfyl referierte in Altendorf.